INDIEKINO zeigt ADULT HORROR MOVIES

Am Freitag, den 12. Oktober um Punkt 23 Uhr starten wir unsere ADULT HORROR MOVIES Serie im Eiszeit Kino mit:

THE TALL MAN (USA/Canada/France 2012, 106 min, OV)

Director: Pascal Laugier, Cast: Jessica Biel, Jodelle Ferland, Stephen McHattie)

Als Eröffnungsfilm zeigen wir den geheimnisvollen THE TALL MAN des berühmt-berüchtigten französischen Regisseurs Pascal Laugier (MARTYRS). Der Film beginnt wie ein konventioneller, sehr gut gemachter Horrorfilm. Eine heruntergekommene Bergarbeitestadt im Wald, Kinder verschwinden auf ungeklärte Weise, einige Bewohner wollen einen „tall man“ gesehen haben. Die junge Krankenschwester Julia glaubt nicht an die Spukgeschichten – bis eines Tages ihr eigener Sohn verschwindet. Als sie sich auf die Suche macht, verlässt der Film auf einmal vertrautes Gelände und führt zu Abgründen die weit realer und verstörender sind als die Angst vorm „schwarzen Mann“.

Mehr Informationen über die Idee hinter ADULT HORROR unter: adulthorror.wordpress.com

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The Saddest Film of the World: The Ballad of Narayama

Ich war auf der Suche nach Informationen über Andrea Arnolds (Fish Tank, Red Road) neue Verfilmung von Wuthering Heights. Der Film, der dieses Jahr in Cannes Premiere hatte und irgendwann 2012 bei UPI ins Kino kommen soll, wird von den englischen Kritikern als „brilliant, visceral, though flawed“ (The Guardian), „too grim to be borne“ (The Independent), „austere, elemental“ (timeout magazine) und als „in the best way possible, totally alien.“ (The Telegraph) beschrieben. Außerdem fühlte sich Robbie Collin vom Telegraph an den japanischen Film „The Ballad of Narayama“ von Shôhei Imamura (1983) erinnert.

Imamuras Film basiert auf der Novelle „Schwierigkeiten beim Verständnis der Narayama-Lieder“ (1957) des Autors Shichiro Fukazawa, die hier in der melancholischen „Rowohlt Jahrhundert-Reihe“ erschienen ist. Die Novelle erzählt in der klaren reduzierten Sprache alter Überlieferungen von einem bitterarmen Bergdorf, in dem die 69-jährige Orin sich auf den Weg in die Narayama Berge macht, um dort zu sterben. So wie das grausame Ritual und der soziale Druck des Dorfes es von den Alten verlangen. Eine seltsame Faszination geht von dem Text aus, der einerseits vom bitteren Zwang ökonomischer Wirklichkeiten und gesellschaftlicher Verhältnisse erzählt, und andererseits Orin, die die Ordnung der Dinge willig akzeptiert, zur Heldin macht. Ihr Freitod ist von unendlicher Traurigkeit und das grausame Ritual, das ihn strukturiert zugleich etwas, an dem man sich festhalten kann.

Ich habe den Film dann gleich bestellt. Allerdings aus Versehen den ‚falschen‘, nämlich die erste Verfilmung von Keisuke Kinoshita aus dem Jahr 1958. Der Film ist atemberaubend in seiner Bildsprache, die in der Inszenierung an Theater und in den Farben an Holzschnitte erinnert und perfekt die Balance zwischen Realismus und Parabel hält. Es ist der traurigste Film, den ich je gesehen habe und einer der schönsten.Hier ein Eindruck:

Hendrike Bake

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Todd Haynes 1: „Superstar: The Karen Carpenter Story“

Spätestens seit seiner Douglas-Sirk-Hommage „Far from Heaven“ bin ich Todd Haynes-Fan. Haynes steht in gewisser Weise im Zentrum einer Independent-Szene, die seit den 90er Jahren eine eigene Vision von amerikanischem Kino, von Popmusik und Literatur entwickelt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit gehören zu dieser Szene neben Haynes die Regisseurin Kelly Reichardt, der Autor Jon Raymond, der Musiker und Schauspieler Will Oldham und die Schauspielerin Michelle Williams. In der nächsten Zeit möchte ich diese Gruppe mit einigen Postings vorstellen und ein bisschen darüber nachdenken, was über die persönlichen Zusammenhänge und Kooperationen hinaus das Verbindende dieser Szene ist.

Todd Haynes ist inzwischen beinahe so etwas wie ein Pate der amerikanischen Indie-Szene. Seit seinen intelligenten und erfolgreichen Filmen „Velvet Goldmine“ und „I´m not there“ ist er als Pop-Spezialist etabliert. Haynes begann seine Filmkarriere mit einem Film über eine wesentlich weniger hippe Popmusikerin. „Superstar: The Karen Carpenter Story“ handelt von der Sängerin und Schlagzeugerin des Easy-Listening-Duos „The Carpenters“, die in den siebziger Jahren mit ihrem an Herb Alpert geschultem Flausch-Sound erfolgreich waren. Haynes interessierte sich hier bereits hier, wie später in „Safe“ und „Far From Heaven“ für das Unheimliche, das hinter den sauberen Fassaden der Mainstream-Kultur lauerte. Der Film beginnt mit dem Abtransport von Karen Carpenters Körper nach ihrem Herzversagen aufgrund ihrer Anorexie. Haynes schafft es, einen scheinbar harmlosen Film zu drehen, der die Fans immer noch zufrieden stellt, gleichzeitig verhandelt der Film die repressiven Verhältnisse in einer scheinbar harmonischen Familie und das quasi-inzestuöse Verhältnis der Geschwister, das zugleich als Flucht und als Gefängnis erscheint. Die Konflikte stehen im krassesten Gegensatz zu den Texten der ultra-konservativen, ultra-harmlosen Songs der Carpenters. Sicher ist „Superstar: The Karen Carpenter Story“ kein Meisterwerk, aber es ist interessant zu sehen, wie Haynes wichtigste Motive hier bereits angelegt sind: die Popkritik und die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Kinoformen, vor allem des Melodrams, vor allem des Melodrams von Douglas Sirk.

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Semiotics of the Kitchen

Der Chantal Akermann-Clip, den Tom gestern eingestellt hat, erinnert mich an ein Performance-Video von Martha Rosler aus dem Jahr 1975. Es ist derb und wütend und komisch wo Akermann suicidal und unterkühlt ist.

Entdeckt habe ich Rosler übrigens in Lynn Hershmans Dokumentation Women Art Revolution!, die auf der diesjährigen Berlinale lief. Nach der Vorführung meldete sich als erster ein Mann, der Hershman zunächst komplimentierte und dann Verbesserungsvorschläge machte. Eine Frage hatte er nicht. Hendrike

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Horror Revisited – Family Portraits: A Trilogy of America

Nach einer intensiven Splatterphase in den 80ern habe ich mich nur selten noch für Horror interessiert. Zurzeit wird nachgeholt, was es zu verpassen gab.  Douglas Bucks „Family Portraits: A Trilogie of America“ (2003) war die letzte Entdeckung. „Family Portraits“ sind eigentlich drei Kurzfilme, die zu einem Abendfüller zusammengefasst wurden. Ähnlich wie in Gaspar Noés Filmen gibt es in „Family Portraits“ keinerlei Comic Relief, die extrem unterkühlte Inszenierung erinnert mich aber eher an die frühen Filme Chantal Akermans, in denen das alltägliche Grauen ebenfalls von außen in die geschlossene Bildform eindringt, oder an Victor Erices „El espíritu de la colmena“ und „El Sur“ , in denen der Horror mehr bedeutet als gezeigt wird. „Family Portraits“ ist eine Studie über sexualisierte Gewalt in autoritär strukturierten Familien. Das Grauenvollste sind aber weniger die recht extremen Gore-Momente im ersten Teil, sondern vielmehr die Momente vollkommener Kälte zwischen den Katastrophen. Eben die fehlen gewöhnlich im Horrorfilm.

Tom Dorow

Buck 2003

Akerman 1973

Erice 1973

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He was a guy who talked with commas, like a heavy novel. Over the phone anyway.

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Marcel van Eeden – Eine Sinfonie in Grau

Fast 10 Jahre lang hat der niederländische Zeichner Marcel van Eeden (*1965) jeden Tag eine Zeichnung gebloggt. Manchmal sind es auch mehrere. Immer nimmt er als Vorlage Motive, die vor seiner Geburt entstanden sind: Postkarten, Magazine, Architekturfotos. Wenn er seine Bilder erklären musss, sagt er, dass es dabei um eine Vorstellung vom Tod geht, um die riesige Menge an Zeit, in der er nicht auf der Erde ist. Das Konzept ist schlüssig und rührend, aber worum es geht, sieht man auch, wenn man sich die vielen vielen kleinen Zeichnungen einfach ansieht und die Zärtlichkeit, Melancholie und Vergänglichkeit spürt, die von ihnen ausgeht.

Marcel van Eeden, 18 november 2003  [0970]

Marcel van Eeden, Tekenblog, 18 november 2003

Die Zärtlichkeit liegt in der Sorgfalt mit der Eeden die kleinen Formate behandelt, in den unendlich variantenreichen Grausschattierungen, in den Wiederholungen geliebter Motive. Nacht, Buchstaben, Linien, Licht und Dunkel. Die Melancholie und Vergänglichkeit schwingen in den vielen nächtlichen Szenen mit und im Fotorealismus der Arbeiten, der festzuhalten versucht, ganz exakt festzuhalten versucht, was beim Zeitpunkt des Betrachtens lange vergangen ist. Die Motive erinnern an Film Noir, die Sehnsucht, die in ihnen mitschwingt erinnert mich eher an Wong Kar-Wai. Es sind Bilder, von denen man eines gerne neben das Kopfende des Bettes hängen würde, auf Höhe der Leselampe, für Trost und Schutz und die Wiederkehr der guten Tage im Traum. Hendrike Bake


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